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Datei:Robert Lehmann Chemiker 2013.jpg

Robert Lehmann (* 26. April 1982 in Alma-Ata) ist ein deutscher Chemiker und Numismatiker.

AllgemeinesBearbeiten

Robert Lehmann studierte an der Universität Hannover und promovierte im Jahre 2011 mit einer Arbeit zur Archäometallurgie von mittelalterlichen deutschen Silberbarren und Münzen. Er ist als Wissenschaftler und Dozent am Institut für Anorganische Chemie der Universität Hannover tätig, wo er sich auf Analytik und Archäometrie spezialisiert hat. Seit 2011 strebt er eine Habilitation an und verfasst eine Habilitationsschrift zur Kunstanalytik im Zusammenhang mit Münzen; sie soll eine Provenienz-Karte von Münzen der Alten Welt beinhalten, um die Herkunfts- und Altersbestimmung zu erleichtern.

Chemiker und AnalytikerBearbeiten

Robert Lehmann leitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter den Arbeitskreis Archäometrie an der Universität Hannover, der sich mit interdisziplinären Forschungen an der Schnittstelle zwischen Naturwissenschaften und Archäologie beschäftigt. Der Arbeitskreis ist eine spezialisierte Untergruppe des Arbeitskreises Analytik, der zum Institut für Anorganische Chemie gehört. Als Mitarbeiter des Arbeitskreises Analytik führt Robert Lehmann Echtheitsbestimmungen durch, unter anderem an Münzen und Gemälden. 2013 war er an der Analyse eines zuvor verschollenen und wiederaufgetauchten Gemäldes von Gustav Klimt beteiligt. [1]

Robert Lehmann ist der Hauptanalytiker für Metalluntersuchungen in Zusammenhang mit niedersächsischen Archäologieprojekten. Das beruht auf einer, unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, im Jahr 2011 geschlossenen Kooperation zwischen der Universität Hannover und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. In diesem Rahmen nahm er bisher Analysen am Godehardschrein des Domschatzes im Hildesheimer Dom, an Fundstücken aus der wikingerzeitlichen Handelsstadt Bardowick, an Funden aus der Montanarchäologie des Harzes [2] sowie bei Ausgrabungen des mittelalterlichen Bergwerks Altes Lager am Rammelsberg vor. In Einzelfällen ist Lehmann auch an Untersuchungen von nichtmetallischen Fundstücken beteiligt, wie beim steinzeitlichen Artefakt der Venus von Bierden. Der Bau der nordeuropäischen Erdgaspipeline NEL bot Lehmann Gelegenheit für archäometrische Forschungen an Fundstücken [3]. Außerhalb von Niedersachsen untersuchte er Teile des Dreikönigenschreins im Kölner Dom. [4] Seine Untersuchungen führt er mit Methoden der zerstörungsfreien und zerstörungsarmen Materialanalytik, wie Laserablation und portable Röntgenfluoreszenz durch. Bei der Laserablation entwickelte Robert Lehmann neue und genauere Analysemethoden.

Besonders umfassend in der Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege stellten sich die archäometallurgischen Untersuchungen am Goldhort von Gessel dar, der im Jahr 2011 bei Syke entdeckt wurde. Er führte auf Initiative der damaligen niedersächsischen Wissenschaftsministerin Johanna Wanka zu einem mehrjährigen Forschungsprojekt des Landesamtes mit dem Institut für anorganische Chemie zu frühen Goldfunden in Niedersachsen und ihren Beziehungen zu anderen Ländern.[5] Nach den ersten Untersuchungen des Goldhortes schloss Lehmann anhand von Röntgenfluoreszenzanalytik, Laserablationsmassenspektrometrie mit Blei-Isotopenuntersuchungen und Rasterelektronenmikroskopie [6] sowie im Abgleich mit einer Datenbank und anderen musealen Vergleichsobjekten, dass Teile des Goldes mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem etwa 7.000 Kilometer entfernten Zentralasien [7] mit den heutigen Staaten Kasachstan, Afghanistan sowie Tadschikistan stammen. [8] Diese Annahme stieß wegen der zugrunde liegenden Datenbasis auf Kritik seitens anderer Archäometallurgen, wie Ernst Pernicka [9]; sie wurde aber von Lehmann aufrechterhalten. [10]

Zu weiteren Aufgaben des Arbeitskreises Archäometrie um Robert Lehmann gehört die Entwicklung zuverlässiger Provenienzbestimmungen mittels weiterer Isotopensysteme sowie Untersuchungen, inwieweit sich Zinn- und Zinkisotopenverhältnisse für die Provenienzanalytik eignen.

NumismatikerBearbeiten

Seit seinem 15. Lebensjahr beschäftigt sich Robert Lehmann intensiv mit Münzen. Zu seinen Aufgaben beim Arbeitskreis Analytik der Universität Hannover zählt die naturwissenschaftliche Fälschungserkennung von Münzen. Er gilt als einer der weltweit aktivsten Numisanalytiker und führt Fortbildungen für Münzgutachter zur Fälschungserkennung durch [11]. Außerdem ist er an mehreren internationalen Projekten, darunter mit dem Institut für Numismatik der Universität Wien, zum Münzhintergrund beteiligt. 2012 wurde Lehmann Präsident der Numismatischen Gesellschaft zu Hannover, die 1858 gegründet wurde und zu den ältesten numismatischen Gesellschaften in Deutschland zählt. Seit 2012 schreibt Robert Lehmann an einer Übersichtsreihe zur mittelalterlichen Münzprägung im deutschsprachigen Raum.

SchriftenBearbeiten

Auswahl: [12]

Monographien

  • Archäometallurgie von mittelalterlichen deutschen Silberbarren und Münzen, Wien, 2013 Promotionsschrift an der naturwissenschaftliche Fakultät der Leibniz Universität Hannover (Online) (pdf, 4,5 MB)
  • mit Carla Vogt: Fälschungserkennung in der Numismatik mit modernen naturwissenschaftliche Methoden, Wien 2013
  • mit anderen: Nub Nefer – Gutes Gold, Hannoversche Numismatische Beiträge 1, 2014

Buchbeiträge

  • in: Volker Weege: Münzfälschungen – Deutsches Kaiserreich, Wien, 2008 [13]
  • Römische Silberbarren als Legionssold – Analysen zur Herstellung und Funktion der Funde aus Niedersachsen in: Nub Nefer – Gutes Gold, Hannoversche Numismatische Beiträge 1, 2014
  • 150 Jahre Tradition - Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Vom Münzforscherverein bis zur Numismatischen Gesellschaft zu Hannover e.V. in: Nub Nefer – Gutes Gold, Hannoversche Numismatische Beiträge 1, 2014

Analytische Publikationen

  • Charakterisierung inhomogener Materialien am Beispiel mittelalterlicher Silberbarren, Leibniz Universität Hannover, Hannover, 2007
  • mit Artur Lehmann, C. Jianfeng: Wenn die Chemie stimmt … Prägestempel und Prägetechnik: Eine beispielhafte Zusammenarbeit des Instituts für Anorganische Chemie Hannover mit dem Landesmuseum und den örtlichen Numismatikern, Münzen und Papiergeld, 2008
  • mit Carla Vogt, Reiner Cunz: Material- und werkstoffkundliche Untersuchungen an spätmittelalterlichen Silberbarren – Erste Ergebnisse einer interdisziplinären Kooperation, Archäologisches Nachrichtenblatt, 2008
  • mit Carla Vogt: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist die Mark nicht Wert? Was uns die Archäometallurgie des mittelalterlichen Geldes über unsere Ahnen verrät in: Praxis der Naturwissenschaften, 2011
  • mit Henning Haßmann, Tina Heintges, Bernd Rasink, Carla Vogt, Stefan Winghart, Friedrich-Wilhelm Wulf: Der bronzezeitliche Goldhort von Gessel, Stadt Syke, Ldkr. Diepholz, Archäologisches Korrespondenzblatt, Mainz, 2012
  • mit Carla Vogt: Naturwissenschaftliche Analysen am Goldschatz von Gessel in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, 1/2012

Sonstige Publikationen

  • mit Artur Lehmann: Das sasanidische Imperium: Ardashir I. – Die Geburt eines Weltreiches, in: Money Trend [14], 2007
  • mit Artur Lehmann: Das sasanidische Imperium: Shapur II (309-379 AD) – Kampf der Kulturen, in: Money Trend [14] , 2007
  • mit Artur Lehmann: Das sasanidische Imperium: Shapur III (383-388 AD) – Einfall der Steppenvölker, in: Money Trend [14], 2007
  • mit Artur Lehmann: Zur Rolle der Goldwährung im sasanidischen Reich und dem Reich der Kuschan, in: Money Trend, [14] 2007
  • mit Artur Lehmann: Das sasanidische Imperium: Khusro II. (591-628 AD) – Teil I: Das letzte goldene Zeitalter, in: Money Trend [14], 2008
  • mit Artur Lehmann: Das sasanidische Imperium: Die Münzprägung der mächtigen Großköniginnen, in: Money Trend [14], 2008

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Verschollenes Gustav-Klimt-Gemälde aufgetaucht? Pressekonferenz zu kriminalogischen Analysen am verschollenen Klimt-Bild am 16. Januar 2013
  2. Symposium „Der Harz – Rohstoffquelle Europas seit der Bronzezeit ?“ vom 6.– 8. Juni 2013 in Goslar
  3. Archäometrische Forschungen in Niedersachsen
  4. Juliane Kaune: Nacht der Wissenschaft an der Universität Hannover in: Hanoversche Allgemeine Zeitung vom 9. November 2012
  5. Spektakulärer Bronzezeitschatz vorgestellt bei Spiegel online vom 22. Februar 2012 Abgerufen am 12. November 2013.
  6. Gold von unschätzbarem Gewinn für die Wissenschaft in Süddeutsche vom 23. August 2013
  7. Archäologie entlang der Pipeline bei: (w) wie wissen vom 6. August 2013
  8. Der Fingerabdruck des Goldes in: T-Online vom 18. April 2012 Abgerufen am 12. November 2013.
  9. Matthias Schulz: Hort auf dem Acker in: Der Spiegel vom 18. Juni 2012
  10. Statement zum Heft - Der Spiegel 25/2012 vom 18. Juni 2012, Seite 133: Archäologie: Goldfund aus der Bronzezeit auf einem niedersächsischen Acker
  11. Tagung Einsatz wissenschaftlicher Methoden bei der Münzfälschungserkennung am 27. November 2010
  12. Publikationsliste Dr. Robert Lehmann
  13. Wissenschaftliche Gesamtbearbeitung durch Robert Lehmann mit eigenen Texten auf etwa 300 Seiten von 335 Seiten
  14. 14,0 14,1 14,2 14,3 14,4 14,5 Publikation in der Zeitschrift Money Trend vom Institut für Numismatik und Geldgeschichte an der Universität Wien als Fachpublikationen anerkannt.
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